Muskeltypen

Quergestreift, glatt oder herzlich.

Muskeltypen unterscheiden wir in quergestreifte, glatte und die Herzmuskulatur. Wir interessieren uns hier aber hauptsächlich für die quergestreifte. Jeder Mensch verfügt über insgesamt fast 700 Muskeln. Als Ganzes gesehen ist der Muskelapparat unser größtes Organ. Solche Muskeln, die unsere Bewegung ermöglichen, also die Skelettmuskulatur, bilden nur einen Teil davon. Ein großer Teil unserer Muskeln ist nicht willkürlich steuerbar. Es geht um die glatte Muskulatur, die sich unter anderem in den inneren Organen wie Blase, Gebärmutter, Darm und den Arterien befinden, und vom vegetativen Nervensystem aus gesteuert werden.

Als eigenständiger Muskel nimmt das Herz eine Sonderstellung ein, weil es der einzige Muskel ist, der ohne Pause arbeitet, und bis zu seiner letzten Kontraktion niemals ermüden sollte. Gesteuert vom vegetativen Nervensystem arbeitet er vollkommen selbständig, und sorgt dafür, unser mit Nährstoffen und Sauerstoff angereichertes Blut durch den Organismus zu befördern.

Die unterschiedlichen Muskelfasern

Muskeln ermöglichen, dass wir uns bewegen können, jedoch ist nicht jeder Mensch gleich schnell, stark oder ausdauernd. Ob man bevorzugt Ausdauer oder Schnellkraft besitzt, hängt ab von der Sorte Muskelfasern über die wir verfügen. Unterschieden wird zwischen zwei grundlegenden Arten.

Ob jemand Sprinter oder Ausdauersportler ist, lässt schon äußerlich an der Form der Muskulatur erkennen. Ausdauerathleten sind eher schmächtig, während Sprinter oft über ausgeprägte Muskelpakete verfügen. Es ist aber nicht nur die Dicke der Muskeln, sondern auch die Art maßgeblich. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten Muskelfasern, die roten und die weißen. Die roten Muskelfasern werden als Typ-1, ST-Fasern, oder auch als Slow-Twitch-Fasern bezeichnet, weil sie vergleichsweise langsam, dafür aber ausdauernd kontrahieren. Im Gegensatz dazu kontrahieren die weißen Typ-2 oder FT-Fasern schnell, weshalb sie die Bezeichnung Fast-Twitch-Fasern tragen, und schnelle Bewegungen ermöglichen.

Die Roten

Bezeichnend für die Art der Muskeln ist der Myoglobingehalt der Muskelfasern, ein Protein, das Sauerstoff aus der Zellwand zu den Mitochondrien transportiert. Je mehr von diesem Protein vorhanden ist, umso reibungsloser läuft der Sauerstofftransport, und desto dunkler ist die Farbe der Fasern. Rote Muskelfasern, die deutlich dünner sind als weiße, werden langsamer über Nervenbahnen angeregt. Kontraktionen sind daher langsamer, werden aber länger aufrecht erhalten. Die Folge ist weniger Verbrauch von Energie, die sie durch Oxidation, also aerobe Sauerstoffbereitstellung erhalten. Die roten Muskelfasern besitzen sehr viele Kapillare, wodurch die Versorgung mit Sauerstoff leichter aufrecht erhalten wird. Die ST-Fasern sind in der Lage, bis zur Ermüdung deutlich länger zu arbeiten. Menschen mit der Ausprägung von ST-Fasern eignen sich daher eher zum Ausdauersportler.

Die Weißen

Ganz anders arbeiten die weißen Muskelfasern, die deutlich dicker sind und darum mehr Kraft entwickeln können, und von relativ schnell leitenden Nerven angesteuert werden. Mit bis zu 40 Aktionspotenzialen/sek. beträgt die Frequenz das Vierfache der roten Muskelfasern. Sie benötigen mehr Energie, die sie überwiegend aus Glukose beziehen, können aber auch schneller kontrahieren. Bei dieser anaeroben Energiebereitstellung entsteht Laktat, ein typisches Abfallprodukt des Stoffwechsels. Die FT-Muskelfasern können nur für kurze Zeit ihre volle Kraft entfalten. Menschen mit weißen Muskelfasern eignen sich eher zum Sprinter oder Kraftsportler.

Welcher Typ bist du?

Die Verteilung und Zuordnung zu den verschiedenen Muskeltypen ist individuell verschieden. Ein Weltklasse-Sprinter wie Usain Bolt hat wahrscheinlich einen Anteil weißer Muskelfasern von über 90%, während der dreifache Ironman Sieger Jan Frodeno über 90 % roter Muskelfasern besitzt. Durch intensives Training lässt sich die Auslegung sogar beeinflussen, wobei eine Verschiebung von FT zu ST-Fasern einfacher ist, als umgekehrt. Eine gute Nachricht für alle Freizeitsportler, die mit fortschreitendem Alter lieber lange, als schnell laufen wollen. Es heißt nicht umsonst: „Sprinter werden geboren, Läufer geformt.“

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